07.10.08
Fucking Åmål (1998)
Die zwei Jugendlichen Agnes und Elin verbindet nicht viel. Elin ist ein typisches Girlie, welches beliebt ist, keine Party auslässt und den Traum von einer großen Model Karriere hat. Dabei ist die Kleinstadt Ã…mÃ¥l natürlich mehr oder weniger ein ziemliches Hindernis. Agnes hingegen ist vor zwei Jahren hingezogen, hat jedoch seitdem nicht so richtig Anschluss bzw. Freunde gefunden, ist nicht so beliebt und führt eher ein Schattendasein. Die einzige Person, die ihr etwas bedeutet, ja, in die sie verliebt ist, ist nahezu unerreichbar für sie: Elin. Nicht wirklich in Stimmung und angetrieben von ihrer Mutter veranstaltet Agnes eine Geburtstagsparty, welche jedoch ein regelrechter Reinfall ist….Bis Elin plötzlich vor der Tür steht.

Mit “Fucking Ã…mÃ¥l” hat Lukas Moodysson einen wunderschönen Film über die Probleme des Erwachsenwerdens, der Selbstfindung und auch z.T. der damit verbundenen gesellschaftlichen Akzeptanz geschaffen. Es ist eine Jugend, die schon am Montag wieder an die Party des kommenden Wochenendes denkt, ihr Leben recht unbeschwert lebt, für den Moment…im Jetzt. Was Morgen kommt, ist egal. Gibt es ein Morgen ? Ist es anders als das Jetzt ? Warum sollte es anders sein ? Sie scheinen keine handfesten Ziele zu haben, nehmen Dinge einfach so hin, wie sie sind, was man beispielsweise an der Szene mit den beiden Schwestern sieht, in der Jessica auf die Frage hin, warum sie und Markus zusammen seien, antwortet: “Wir sind halt zusammen.”.
Doch was passiert, wenn man aus dieser Welt plötzlich rausgerissen wird ? Wenn auf einmal alles drunter und drüber geht ? Wenn eine Begegnung alles zu verändern vermag ? Das sieht man an Elin, die im Film eine wahre Wandlung vollzieht. Die Begegnung mit Anges hat etwas in ihr freigesetzt. Mit Agnes hätte sie es nach kurzem Zögern tatsächlich gewagt, Ã…mÃ¥l den Rücken zu kehren. Eine Schlüsselszene, ist sie doch für beide Charaktere im Folgenden sehr bedeutend. Elin weiß nicht, dass Agnes in sie verliebt ist, doch unabhängig davon bemerkt sie selbst auch, dass da irgendwie mehr ist. Leider holt sie die Realität nur all zu schnell wieder ein. Es kann doch nicht angehen, dass sie, ein so beliebtes Mädchen (Wobei der Ausdruck “beliebt” auch nur mit Vorsicht zu genießen ist, eher oberflächlich, als aufrichtig, wenn man daran denkt, dass sie auch als Schlampe verrucht ist…) lesbisch ist. So versucht sie, ihren Gefühlen zu enfliehen und kehrt in ihre bekannte Welt zurück. Sie lässt sich sogar auf eine scheinheilige Freundschaft mit Johan ein, welcher seinerseits auch in Elin verliebt ist. Von ihm lässt sie sich entjungfern, nur damit sie sich einreden kann, dass sie nicht “vom anderen Ufer” ist. Jedoch vermag sie ihre wahren Gefühle nicht komplett zu unterdrücken. Dies kann man sehr gut an der Szene sehen, in der Elin auf ihrem Bett sitzt, als das Telefon klingelt. Man kann erkennen, dass sie hofft, Agnes sei am anderen Ende der Leitung. Die Ernüchterung erfolgt jedoch schnell, als sie die Stimme ihrer Schwester hört. Bis zuletzt versucht sie, gegen ihre Gefühle anzukämpfen, sie zu unterdrücken. Auch in Hinblick auf die leider nur all zu häufig bekannten Outing Probleme, die z.T. in der Familie anfangen, was man an Agnes Mutter sehen kann, aber auch im Freundeskreis…ja gerade im Freundeskreis auftreten. So wird auf einer Party regelrecht über Agnes hergezogen, sie wird angerufen und verarscht, wobei man ihr das Leiden wirklich ansehen kann. So kommt es dazu, dass sie ritzt, um den Gefühlsschmerz zu bekämpfen. Die Eltern haben von ihren Problemen keine Ahnung, weshalb die Szene, in der Agnes beim, oder besser gesagt vorm Selbstverletzen von ihrem Vater überrascht wird, auf eine gewisse Art und Weise ziemlich tragisch erscheint, wenn man bedenkt, dass sie vorher sogar den Wunsch geäußert hat, tot zu sein.
Ohne Unterstützung der Eltern steht man nun da und muss damit fertig werden. Entweder man steht zu sich und seinen Gefühlen, ist ehrlich zu sich selbst, wodurch einem egal sein sollte, was andere womöglich sagen, oder man verleugnet sich, macht nur sich selbst und womöglich noch andere (In diesem Falle wohl eindeutig Johan) traurig. Natürlich gibt es kein “Das ist richtig und das ist falsch”. Solche Konflikte gehören einfach zum Erwachsenwerden dazu. Bis zuletzt hat auch Elin mit sich gehadert, bis sie endgültig, durch letzte Überzeugungsarbeit von Agnes, den Entschluss gefasst hat, dazu zu stehen. So schlägt in ziemlich genau Minute 80:00 auch gerade zu wortwörtlich der Filmtitel “Fucking Ã…mÃ¥l” zu Buche….
Abschließend will ich sagen, dass der Film zwar mit vielen Klischees spielt, aber dennoch wunderschön inszeniert ist. Man könnte in gewisser Weise sogar sagen, dass die Klischees einen tragenden Teil des Films ausmachen. Die schauspielerische Leistung der beiden Hauptdarstellerinnen Alexandra Dahlström als Elin und Rebecka Liljeberg als Agnes sowie die Darstellung von Mathias Rust als Johan wirken überzeugend. Man nimmt ihnen die Rollen der Jugendlichen ab, was in Bezug auf einen gewissen Wiedererkennungswert des eigenen Erwachsenwerdens und Selbstfindens sehr fördernd ist.
Kurzum: Sehr genialer Film, seht ihn euch an, sofern noch nicht geschehen!







